Rund um Weilerswist 2014

Vergangenen Samstag war es mal wieder soweit, „Rund um Weilerswist“ 2014 stand auf der Agenda. Uns sorgten massive Ausfälle im Kader (7 weniger), die wir aber zu unserem eigenen erstaunen bis auf zwei kompensieren konnten. So kam es das wir bei durchwachsenem Wetter mit einer Stärke von 17 Fahrern zum Start nach Weilerswist gefahren sind und den zweiten Platz ergattern konnten. Nach etwas Verwirrung bei der Anmeldung konnte es dann auch schon los gehen; 5 auf der 25er Runde, 8 auf der 42er Runde und 3 auf der 74er Runde. Unseren 17. Starter haben wir erst auf der Strecke rekrutiert, Helmut war letztes Jahr schon bei uns im Team und wir entdeckten ihn auf dem Weg zum Start. Er ist dann die 114km Runde gefahren. An dieser Stelle nochmals vielen Dank an unsere Mitfahrer, es ist jedes Jahr aufs Neue schön zu sehen, dass ihr für uns diese Rundfahrt in Angriff nehmt.

Nachdem wir bei den letzten 4 Teilnahmen unter 4 verschiedenen Namen gestartet sind (Team LIVESTRONG, NRW For LIVESTRONG, NRW For 28 Million, For 28 Million), haben wir in unserem 5. Jahr einen Namen gefunden der Konstanz haben soll und haben wird, „Team 28“. Der große Vorteil von diesem Namen ist, dass er beim Vorlesen nicht zu Verwirrungen führt wie es bei „NRW For 28 Million“ noch der Fall war. Bei der Siegerehrung in diesem Jahr kam dann auch endlich unsere „mysteriöse 28“ zum Tragen, welche ja extra gewählt worden ist damit die Menschen nachfragen was sie bedeutet. Landrat Rosenke erkundigte sich nach deren Bedeutung und sorgte damit für die gewünschte Aufmerksamkeit. Vielen Dank an dieser Stelle.

Zu guter Letzt gebührt auch dem RTC Weilerswist Dank für eine sauber durchgeführte RTF.

T28

Eine Spritze gegen den Krebs

Der Körper kann den Krebs besiegen, er hat nur verlernt, ihn zu erkennen. Das wollen Forscher ihm wieder beibringen.

Zwischen Bornholm und Rügen, irgendwo auf der Ostsee bei Windstärke sieben, wäre im Mai 1998 beinahe die Hoffnung auf eine neue Krebstherapie versunken. Gemeinsam mit ein paar Forscherkollegen war Ingmar Hoerr, Doktorand an der Universität Tübingen und frischgebackener Skipper, zu einem Symposium der anderen Art aufgebrochen – einem Segeltörn, auf dem neben Halsen und Kehren über „Anwendbare Wissenschaft“ diskutiert werden sollte. Tagsüber trotzten die süddeutschen Landratten dem schlechten Wetter, abends hielten sie seekrank Vorträge über das Thema Unternehmensgründung.

„Es war eine „Alle-in-einem-Boot“-Extremsituation“, sagt Hoerr und gibt zu: „Wir wären fast abgesoffen.“ Ideal also, um zu testen, mit wem man zukünftig so ein waghalsiges Unternehmen wie eine Biotech-Firma starten könnte, die oft mit Gegenwind zu kämpfen hat und der nicht selten der Untergang droht.

Unerschrocken gründet Hoerr nach dem Törn auf Tübinger Festland die Biotech-Firma CureVac, die eine neuartige Impfung gegen Krebs und Infektionskrankheiten entwickelt. Kürzlich wurde seine Mannschaft von der Europäischen Kommission mit dem „Impfstoff-Preis“ ausgezeichnet – zwei Millionen Euro für eine Therapie, mit der das Immunsystem des Menschen gegen Viren und Bakterien aber auch gegen Krebs flott gemacht werden kann.

Grundidee der Krebsimpfung ist, dem Immunsystem wieder beizubringen, Krebszellen von gesunden Zellen zu unterscheiden und zu bekämpfen. Normalerweise schafft die Körperabwehr das mühelos. Denn wenn eine Zelle aus der Reihe tanzt, verändern sich auch die Proteine auf ihrer Außenwand, mit denen alle Körperzellen wie mit kleinen Erkennungsfähnchen beflaggt sind. Für die Immunzellen sind solche Piratenflaggen, sogenannte Tumorantigene, ein Signal, die abtrünnigen Zellen anzugreifen und zu vernichten.

Bei der Entwicklung größerer Tumore scheint diese Fähigkeit verloren zu gehen. Ein Grund: Die Krebszellen segeln gewissermaßen unter falscher Flagge, hissen ganz normale Moleküle und entkommen so dem Frühwarnsystem des menschlichen Körpers. Mit einer Krebsimpfung, so der Traum der Wissenschaft seit 20 Jahren, könnte man den Abwehrzellen ihre verlorene Fähigkeit wieder zurückgeben, solche Irrläufer zu entlarven.

Der Trick: Selbst die am besten getarnten Krebszellen stellen auch immer Proteine zur Schau, an denen sie eigentlich als Freibeuter zu erkennen wären. Das Immunsystem übersieht sie nur leider. Verabreicht man diese Proteine aber vorher konzentriert mit der Impfspritze, so die Hoffnung, könnte das die Abwehrzellen schulen. Und sie wären anschließend in der Lage, auch bisher unbekannte Piratenfähnchen zu erkennen und die mit ihnen gespickten Zellen anzugreifen.

2009 war die erste therapeutische Krebsimpfung erfolgreich genug, um von den Behörden in den USA zugelassen zu werden: Die Impfung „Provenge“ der Biotech-Firma Dendreon, die die Körperabwehr gegen das Tumorantigen Pap abrichtet, verlängert das Leben von Prostatakrebs-Patienten im Durchschnitt um knapp vier Monate. Kein überwältigender Erfolg, vor allem angesichts des hohen Preises für die Therapie von über 90 000 Dollar pro Jahr. Doch Provenge zeigt, dass das Prinzip der therapeutischen Krebsimpfung funktioniert.

Das unterstreicht auch der Wirkstoff Ipilimumab der britischen Pharmafirma Bristol-Myers-Squibb. Damit bekommen Ärzte Immunzellen wieder flott, deren Abwehrreaktion gegen den Krebs wie durch Dutzende Anker blockiert war. Vervoy kappt diese Anker und kann damit Erfolge gegen den bislang fast unbehandelbaren schwarzen Hautkrebs erzielen.

Einer der Ersten in Deutschland, der verschiedene Methoden der Krebsimpfung testete, war der Tübinger Immunbiologe Hans-Georg Rammensee. Statt echter Proteine verwendete Rammensee allerdings deren Bauplan, das Erbgutmolekül DNA, als Impfstoff. Eher zufällig entdeckte Rammensees Doktorand Ingmar Hoerr, dass das Schwestermolekül der DNA, die sogenannte RNA, das Immunsystem der Mäuse viel besser gegen Krebs aktivierte als DNA oder Proteine.

Weder Rammensee noch Hoerr hätten je mit so einem Ergebnis gerechnet, denn RNA ist eigentlich nur ein Zwischenprodukt bei der Übersetzung einer Geninformation in ein Protein. Zunächst fluchte Hoerr vor sich hin und vermutete, irgendeinen Fehler gemacht zu haben. Doch auch nach mehrfacher Wiederholung erwies sich die RNA weiter als bester Impfstoff gegen Krebs. Da dämmerte es ihm, dass er eine „wichtige Entdeckung“ gemacht hatte.

Der Rest ist Geschichte: Mit Hilfe des „Junge Innovatoren“-Programms Baden-Württembergs gründet Hoerr 2000 CureVac. 2006 stieg der SAP-Milliardär Dietmar Hopp über seine Investmentfirma dievini mit inzwischen mehr als 100 Millionen Euro ein, die bis dato höchste Investition in eine deutsche Biotechfirma.

Hopp vertraut dabei auf die Vorteile, die die RNA-basierte Krebsimpfung gegenüber Proteinen als Impfstoff haben könnte. Zum Beispiel das geringere Risiko von Nebenwirkungen. Während Proteinmoleküle chemisch unterschiedlich sind und damit jede Krebsimpfung ihre eigenen unerwünschten Reaktionen produzieren kann, bleiben die chemischen Eigenschaften der RNA immer die gleichen. „Erst wenn die RNA in eine Zelle gelangt, wird sie in ein Protein übersetzt, das dann als Impfstoff fungiert“, sagt Hoerr.

Dennoch bleibt CureVac nur einer von vielen Ansätzen auf der Suche nach der Krebsimpfung von morgen. Hoerrs Tübinger Nachbar, die Firma Immatics, ist dem alten Ansatz treu geblieben. Sie versucht ihr Glück mit einem so genannten Peptid-Impfstoff, kleinen Proteinstücken, die charakteristisch für bestimmte Krebszellen sind und deshalb eine Immunantwort provozieren sollen.

Die deutsch-dänische Firma Bavarian-Nordic wiederum nutzt Viren, den abgeschwächten Pockenviren-Stamm MVA, um die Erbinformation für ein prostata- oder brustkrebstypisches Protein in möglichst viele Zellen zu transportieren. Die Idee: Bauen diese auch nur zum Teil das Antigen in ihre Außenwand ein, wird das Immunsystem gleich an den verschiedensten Stellen im Körper für den Abwehrkampf programmiert.

Noch kann niemand sagen, welche Technik die besten Chancen hat, sagt Philip Beckhove vom Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg. Sein Labor arbeitet an einer Impfung gegen Brustkrebs, bei der Immunzellen des Patienten im Labor so präpariert werden, dass sie das Immunsystem gegen den Krebs mobilmachen, wenn sie in den Körper zurückgespritzt werden.

Welches Konzept in welcher Situation die besten klinischen Ergebnisse bringt, sei bisher nur in wenigen Studien untersucht worden, so Beckhove. Auch CureVac’s RNA-Impfungsmethode „RNActive“ muss sich erst noch in klinischen Tests beweisen. Im Rahmen einer kleinen Studie an 30 Prostatakrebs-Patienten sind zumindest keine nennenswerten Nebenwirkungen aufgetreten, verrät Hoerr. „Bei 79 Prozent der Patienten haben wir eine Immunantwort gegen den Krebs messen können.“

Ob die Krebszellen damit tatsächlich zurückgedrängt werden und den Patienten geholfen wird, ist offen. Das klärt CureVac seit August 2012 mit der nächsten Studie an 197 Prostatakrebs-Patienten. Mit Ergebnissen ist nicht vor Ende 2016, mit einer Zulassung nicht vor 2020 zu rechnen.

Trotzdem sind große Pharmafirmen wie Sanofi Pasteur und Janssen Pharmaceuticals bereits Kooperationen mit der Tübinger CureVac eingegangen – sie wollen die RNActive-Technik nutzen, um klassische Impfungen gegen Infektionskrankheiten wie Grippe zu entwickeln. „Denn die RNA-Impfung ist nicht auf eine bestimmte Erkrankung festgelegt“, erklärt Geschäftsführer Florian von der Mülbe. Da die Zellen die RNA-Moleküle, abhängig von ihrer Bausteinabfolge, praktisch in jedes Protein übersetzen können, können sie auch als Impfstoffe gegen Erreger wie das Influenza- oder den Tollwut-Virus wirken.

Und zwar viel schneller und günstiger als bisher: Weil RNA einfacher herzustellen ist, könnten mit der CureVac-Methode innerhalb von etwa sechs Wochen Millionen Dosen Impfstoff gegen eine neue Influenza-Variante hergestellt werden – oder viele andere Erreger. Bei der letzten Schweinegrippe-Pandemie brauchten herkömmliche Techniken dafür fünf bis sechs Monate.

CureVac aber muss keine Proteine züchten in zeitraubenden Viruskulturen in Hühnereiern oder Zellkulturen. „Wir brauchen nur die Erbgutsequenz des neuen Virus“, sagt von der Mülbe. Sobald eine neue Virusvariante auftaucht, müsste ein Speziallabor das Viruserbgut sequenzieren, was etwa eine Woche dauert. „Wir bräuchten dann eine weitere Woche, um diese Viruserbgut-Sequenz in unsere Bakterienkulturen zu übertragen, und dann drei bis fünf Wochen für die Produktion und Qualitätskontrolle“, rechnet Hoerr vor.

Am Ende steht ein Impfstoff, der keine immunstimulierenden Zusatzstoffe braucht und nicht gekühlt werden muss – ein entscheidender Vorteil, da Impfstoffe oft über Monate in entlegene und oft auch warme Gebiete transportiert werden müssen. Ob die RNA-Impfstoffe sich in der Praxis bewähren, sollen nun weitere klinische Studien beweisen. Die zwei Millionen Preisgeld von der EU sind für Hoerr und CureVac eine willkommene Brise auf diesem Kurs.

Quelle: badische-zeitung.de