Steigende Krankheitszahlen: Fünf Maßnahmen gegen Krebs

Weltweit erkranken immer mehr Menschen an Krebs. Das zeigt ein Bericht der Weltgesundheitsorganisation. Viele der Fälle wären vermeidbar. Die fünf wichtigsten Maßnahmen.

London – Im Jahr 2012 erkrankten 14 Millionen Menschen weltweit neu an Krebs, die Zahl der Betroffenen soll in den nächsten Jahren noch drastisch steigen. Dies ist das Ergebnis des aktuellen Welt-Krebsberichts 2014 der Weltgesundheitsorganisation WHO. Vor allem in Entwicklungsländern könnte demnach der Zugang zu bezahlbaren und effektiven Behandlungsmöglichkeiten vielen Krebskranken das Leben retten.

„Wir sollten das Feuer löschen, solange es noch klein ist“, zitiert der WHO-Bericht ein afrikanisches Sprichwort. Dies sei ein guter Merksatz für die Krebsmedizin.

Die Autoren des Welt-Krebsberichts appellieren an die Regierungen, zu handeln. Die Gesetzgeber sollten mit staatlichen Programmen gesundheitsbewusstes Verhalten fördern. Dringend müsste mehr für die Vermeidung von Krebs getan werden, heißt es in dem Bericht. Doch neben Gesetzen zum Rauchen oder etwa der Regulierung des Alkoholkonsums kann jeder auch für sich sein Risiko minimieren.

 

Die fünf wichtigsten Maßnahmen im Überblick

 

1. Früherkennung

Vorbeugen lässt sich Krebs mit Früherkennung nicht. Doch sie kann die Chancen für Patienten erhöhen, den Krebs zu überleben. Die Basis für eine hilfreiche Früherkennung ist, dass alle Menschen schnellen Zugang zur jeweiligen Diagnostik haben. Außerdem müssen der Nutzen und die möglichen Risiken – wie unnötige Behandlungen durch Überdiagnosen – genau abgewogen werden.

Screening-Programme von entsprechender Qualität könnten die Sterblichkeit durch Brust-, Gebärmutterhals- und Darmkrebs senken. Um Nutzen und Schaden gegeneinander abwiegen zu können, sollten entsprechende Programme nach ihrer Einführung viele Jahre lang intensiv begleitet werden, so der Report.

 

2. Gewicht kontrollieren

Mit dem Körpergewicht steigt das Risiko diverser Krebsformen, darunter die der Speiseröhre, des Darms, der Niere, der Gebärmutterschleimhaut und der Bauchspeicheldrüse. Wer sich bewegt und abspeckt, senke daher automatisch seine Krebsgefährdung, schreiben die Autoren. Daneben wirke sich die Bewegung direkt positiv auf das Risiko für Brust- und Darmkrebs aus.

Was Ernährung und Übergewicht betrifft, sehen die Forscher den größten Handlungsbedarf beim Konsum gezuckerter Getränke. Daneben weisen sie auf Studien hin, die rotes und verarbeitetes Fleisch in Verbindung mit einem höheren Darmkrebsrisikogebracht haben.

Bei einem Speiseplan mit Obst, Gemüse und Vollkornprodukten kommen die Forscher zu einem eher ernüchternden Fazit: Der schützende Effekt scheine, was Krebserkrankungen betrifft, nicht so stark zu sein wie erwartet, schreiben sie. Dennoch seien diese Lebensmittel im Hinblick auf Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen empfehlenswert.

 

3. Impfen

Krebs durch Impfungen vorzubeugen, ist noch ein relativ neues Konzept – aber ein sehr wichtiges. Etwa 16 Prozent der Krebsfälle gehen laut WHO-Report auf Infektionen zurück. In den Industrienationen ist der Anteil allerdings geringer als in Entwicklungsländern.

Die wichtigsten Erreger in diesem Zusammenhang sind:

  • – das Hepatitis-B-Virus, das Leberkrebs auslösen kann,
  • – humane Papillomviren (HPV), die unter anderem mit Gebärmutterhalskrebs in Verbindung gebracht werden,
  • – das Bakterium Helicobacter pylori, das bei anhaltenden Infektionen das Magenkrebs-Risiko erhöht.

Die Impfung gegen Hepatitis-B-Viren empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) in Deutschland für alle Säuglinge. Zur Impfung gegen mehrere HP-Viren wird Mädchen im Alter von 12 bis 17 Jahren geraten.

Dass heranwachsende Mädchen gegen HPV immunisiert werden, wird laut dem Report nach und nach auch in Entwicklungs- und Schwellenländern umgesetzt, wo 80 Prozent der Fälle von Gebärmutterhalskrebs auftreten.

 

4. Rauchen reduzieren

Rauchen gehört bis heute zu den Hauptgründen für Krebserkrankungen. Jedes Jahr sterben weltweit sechs Millionen Menschen an den Folgen ihres Nikotinkonsums, durch Krebs und andere Folgekrankheiten. Doch es gibt auch eine gute Nachricht: Hört jemand mit dem Rauchen auf, kann sich sein Körper zumindest teilweise von den Schäden erholen.

Die Gefahr gehe zum Großteil gar nicht vom Nikotin selbst, sondern von Karzinogenen und anderen giftigen Zusatzstoffen aus, schreiben die Experten in dem Bericht. Während das Rauchen lange Zeit vor allem ein Problem reicher Länder war, ist es mittlerweile auf der ganzen Welt üblich.

Der Zigarettenkonsum sei ein gesellschaftliches Phänomen und stark von der Werbung der Tabakkonzerne gelenkt, kritisieren die Experten. „Ein Umfeld, in dem das Nichtrauchen die Norm ist, erleichtert das Aufhören“, heißt es in der Studie. Daneben müssten Gesetze Nichtraucher vor dem Passivrauchen schützen, und es sollten gesündere Tabakprodukte entwickelt werden.

 

5. Schutz vor krebserregenden Substanzen

Asbest war einmal ein beliebter Baustoff, heute wird das Material aus gutem Grund nicht mehr verwendet: Die winzigen Astbestfasern erhöhen das Lungenkrebsrisiko. Das Beispiel zeigt, wie wichtig es ist, verschiedenste Substanzen zu erforschen und zu überwachen. Es zeigt aber auch: Regierungen benötigen meistens lange, bis wissenschaftliche Erkenntnisse umgesetzt werden, um die Bevölkerung zu schützen.

Deshalb fordern die Autoren künftig auch einen stärkeren Fokus auf das Thema Luftverschmutzung. Allerdings, so die Forscher, könne jeder größtenteils selbst bestimmen, welchen gefährlichen Substanzen er sich aussetzt oder nicht – etwa beim Rauchen, Alkoholkonsum und intensiven Sonnenbädern.

 

Quelle: spiegel.de