Statement from the LIVESTRONG Foundation

Today the LIVESTRONG Foundation issued the following statement regarding the dissolution of its partnership with Nike.

“The LIVESTRONG Foundation is deeply grateful to Nike not only for the time and resources it invested in helping us improve the lives of people affected by cancer today, but also the creative drive it brought to our nine-year partnership. While the Foundation created and owns the LIVESTRONG brand, Nike shone a spotlight on the spirit of courage and resilience it represents. Since 2004, Nike helped raise more than $100 million to advance the Foundation’s mission. Together, we created new, revolutionary ways of thinking about how non-profits fuel their mission and we’re proud of that.

“This news will prompt some to jump to negative conclusions about the Foundation’s future. We see things quite differently. We expected and planned for changes like this and are therefore in a good position to adjust swiftly and move forward with our patient-focused work. Because of our sound fiscal health, the Foundation is well-positioned to continue to grow our free services for cancer patients and survivors that improve quality of life and access to care. Because of our excellent governance and quality of service, the Foundation remains one of the most highly-rated and effective non-profits in the United States. Because 14 million Americans face the daily challenges of living with cancer, our mission has never been more critical and for some, it will mean the difference between life and death.

“Taking a revolutionary approach to improving outcomes for cancer patients and survivors has been part of the LIVESTRONG Foundation’s DNA since our creation in 1997. Change, while sometimes hard, also brings opportunity. We are always eager to partner with organizations that are genuinely committed to our mission. Constant innovation and relentless determination on behalf of people facing cancer today are what drive us and we take that spirit to heart during this time of change for our organization”

Präzise Protonenstrahlen gegen Krebs

Präzise Protonenstrahlen gegen Krebs

Mehrere Millionen Menschen in der Welt sind von Krebs betroffen. Die Diagnose ist ein Schock, auch wenn die Heilungschancen bei vielen Tumorarten gestiegen sind. Als vielversprechend gilt die Protonentherapie, die zielgenaue Bestrahlung mit energiereichen Protonen.
“Statistiken zeigen leider, dass Krebs weltweit auf dem Vormarsch ist”, sagt euronews-Reporter Claudio Rocco. “Schätzungsweise ein Drittel der Menschheit wird im Verlauf des Lebens an Krebs erkranken. Vorsorge ist wichtig, auch die Suche nach neuen Therapien. Dieses Forschungszentrum in Belgien befasst sich mit einer hochmodernen Behandlungstechnologie.”

In Louvain-la-Neuve nahe Brüssel baut das belgische Unternehmen Ion Beam Applications (IBA) Protonentherapie-Systeme für den Einsatz in Kliniken und Krankenhäusern. Im Inneren der sogenannten Zyklotronen werden geladene Teilchen mithilfe von Magnetfeldern auf nahezu Lichtgeschwindigkeit beschleunigt, bis sich die Elektronen von den Wasserstoffatomen abspalten und nur Protonen übrig bleiben.

Protonen geben im Gegensatz zu Röntgenstrahlen den Großteil ihrer Energie erst auf den letzten Millimetern ihrer Flugbahn ab. Die Bestrahlung lässt sich zielgerecht auf den Tumor fokussieren.

Der belgische Forscher Yves Jongen ist der Mann, der die Entwicklung der Protonentherapie entscheidend voranbrachte. Bereits als Direktor des Zyklotron-Forschungszentrums der katholischen Universität von Louvain forschte er an der Entwicklung von Teilchenbeschleunigern, mit denen sich Protonen erzeugen lassen.

1986 baute er den ersten Prototypen und legte damit den Grundstein für den medizinischen Einsatz der Technologie. “Krebs tritt oft bei älteren Menschen auf, aber leider betreffen rund sieben Prozent aller Krebsfälle kleine Kinder”, erläutert Yves Jongen. “Bei der Krebsbehandlung von Kindern ist es um so wichtiger, dass die anderen Organe, die noch ein ganzes Leben lang benötigt werden, nicht verstrahlt werden. Genau das ermöglicht die Protonentherapie.
Sobald der Patient auf dem Behandlungstisch liegt, werden zwei orthogonale Röntgenbilder angefertigt, um die Position des Tumors zu ermitteln. Dann wird der Patient millimetergenau ausgerichtet, damit der Teilchenstrahl genau im Tumorgewebe landet, nicht daneben.”

Auch die Energieintensität des Strahls lässt sich genau einstellen. Aus diesen Gründen wird die Protonentherapie besonders bei Krebsfällen empfohlen, bei denen sich der Tumor in unmittelbarer Nähe lebenswichtiger Organe befindet. Zum Beispiel Tumore im Augen- und Nackenbereich oder im Gehirn.

Der heute 65-jährige Yves Jongen hat den größten Teil seines Lebens der Entwicklung der Protonentherapie gewidmet und die Technologie für 25 Behandlungszentren in der Welt geliefert. Er ist für den Europäischen Erfinderpreis nominiert in der Kategorie Lebenswerk. Der Preis wird am 28. Mai vom Europäischen Patentamt in Amsterdam verliehen.

Die Reaktion des Forschers: “Ich werde dafür bezahlt, mich dem zu widmen, das mir am meisten am Herzen liegt: der Entwicklung geeigneter Behandlungsgeräte im Kampf gegen Krebs. Ich bin also ein glücklicher Mensch.”

“Mit Ihrer Erfindung haben sie Tausenden Menschen geholfen und werden noch viele tausende Leben retten, wie fühlt sich das an?”, fragt euronews-Reporter Claudio Rocco.

“Es ist ein außergewöhnliches Gefühl”, meint Jongen. “Ich gehe oft in Zentren für Protonentherapie. Wenn ich die Menschen dort warten sehe, sage ich mir: Dieses Gerät, das ich entwickelt habe, behandelt Krebs gefahrloser, und ich fühle mich gut.”

Weniger als ein Prozent der Krebspatienten werden mit Protonen behandelt, weil es noch nicht genügend Therapiezentren gibt. Die Anlage kostet immerhin zwischen 20 und 50 Millionen Euro. Deswegen arbeitet Yves Jongen weiter an der Entwicklung kleinerer und weniger teurer Modelle.

Video zum Artikel unter http://de.euronews.com/2013/05/14/praezise-protonenstrahlen-gegen-krebs/

Quelle: euronews.com

„Networking“ in der Krebszelle

Heidelberger Wissenschaftler entwickelten ein Verfahren, um die Wechselwirkung aller Gene einer Krebszelle im großen Maßstab zu untersuchen. Die genaue Kenntnis dieses Zusammenspiels soll dabei helfen, wirksamere Kombinationen von Medikamenten zu identifizieren. Die Ergebnisse sind in der neuesten Ausgabe von Nature Methods veröffentlicht.

Krebs ist eine Erkrankung der Gene. In Tumorzellen sind jedoch nicht nur einzelne Krebsgene verändert, sondern es liegt meist eine Vielzahl an Mutationen vor. Die jeweilige Kombination der Mutationen bestimmt das Verhalten der Zellen, etwa ihr Wachstum und auch das Ansprechen auf Therapien. Genau dies lässt sich jedoch oft nicht vorhersagen. Um Therapien, die sich gezielt gegen einzelne Veränderungen der Krebszelle richten, sinnvoll kombinieren zu können, müssen Wissenschaftler zunächst verstehen, wie sich die veränderten Gene gegenseitig beeinflussen.

Um diese Frage zu beantworten, haben Wissenschaftler vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ), der Universität Heidelberg und vom Europäischen Molekularbiologie-Labor (EMBL) in Heidelberg ein neues Verfahren entwickelt. Sie wollen im großen Maßstab untersuchen, wie Gene miteinander interagieren, sich also gegenseitig in ihrer Wirkung verstärken oder neutralisieren. Die Interaktionsprofile der Gene funktionieren wie in sozialen Netzwerken: Haben zwei Menschen sehr ähnliche Freundeslisten, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie sich gut kennen. Analog ist es wahrscheinlich, dass zwei Gene mit ähnlichen Interaktionsprofilen eng zusammenarbeiten – so lassen sich ganze Netzwerke von kooperierenden Genen erstellen. Vergleichbare Verfahren wurden bereits für Modellorganismen wie Hefe und Fruchtfliege entwickelt. Nun ist es zum ersten Mal gelungen, die Methode bei menschlichen Krebszellen anzuwenden.

Die Wissenschaftler konzentrierten sich vor allem auf Gene, die die sogenannte epigenetische Regulation beeinflussen. „Solche Gene steuern die Aktivität anderer Gene und beeinflussen die Struktur von Chromosomen. Sie haben daher großen Einfluss auf die korrekte Zellteilung und sind deshalb für die Krebsforschung interessant“, sagt Michael Boutros vom DKFZ. „Mit unserer Methode können wir nun herausfinden, wie sich diese epigenetischen Faktoren gegenseitig in ihrer Wirkung beeinflussen.“

„Dazu haben wir insgesamt 323 epigenetisch aktive Gene einzeln und auch in Kombination ausgeschaltet“, beschreibt Christina Laufer, die Erstautorin der Arbeit, den Forschungsansatz. Das Vorhaben hatte außergewöhnliche Dimensionen, insgesamt kamen über 50.000 Einzelexperimente zusammen. Um zu beobachten, wie sich das kombinierte Ausschalten der Gene auf die Krebszellen auswirkte, färbten die Wissenschaftler verschiedene Zellstrukturen wie Kern und Zellskelett an und fotografierten alle Zellen. Insgesamt erhielten sie so über 600.000 Bilder.

„Eine solche Menge Bilder kann man natürlich nicht mehr mit dem Auge auswerten“, erklärt Wolfgang Huber vom EMBL. „Geholfen hat uns eine spezielle Bildverarbeitungsmethode, mit der wir die Auswertung automatisiert haben.“ Die Software ermöglichte es, die Folgen der genetischen Eingriffe innerhalb kurzer Zeit festzustellen.

„Wir konnten bestätigen, dass sich unsere Methode hervorragend dazu eignet, das Zusammenspiel von Genen zu ermitteln“, sagt Michael Boutros. „Um zu verstehen, was eine Krebszelle von einer gesunden Zelle unterscheidet, müssen wir dieses Zusammenspiel kennen. Erst auf dieser Basis kann es gelingen, gezielt in einen Prozess einzugreifen und damit bessere Medikamente in wirksameren Kombinationen gegen Krebserkrankungen zu entwickeln.“

Das Projekt wurde im Rahmen des Exzellenzclusters CellNetworks der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert. Michael Boutros ist Abteilungsleiter am DKFZ und an der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg. Wolfgang Huber ist Senior Scientist und Gruppenleiter am EMBL.

Quelle: DKFZ.de

Rettende Zeichen

Neue Gentests weisen Krebserkrankungen extrem früh im Blut nach. Das erhöht die Heilungschancen drastisch.

Die Frau war krank, aber sie ahnte nichts davon. Sorge bereitete der werdenden Mutter nur ihr ungeborenes Kind. Es schien todgeweiht. Der Test ließ kaum Zweifel zu: Im Blut der Schwangeren hatten die Mediziner mithilfe einer neuartigen genetischen Untersuchung einen schlimmen Fund gemacht. Der Fötus, so dachten sie, trug gleich zwei überzählige Chromosomen im Erbgut: Trisomie 13 und 18, eine tödliche Kombination.

Seltsam nur, dass im Ultraschallbild ein ganz normal entwickeltes Kind zu sehen war. Monate später brachte die Frau tatsächlich einen gesunden Jungen zur Welt. Erst zwei Wochen nach der Geburt wurde den Medizinern klar, woher das alarmierende Ergebnis des Bluttests rührte. Da klagte die junge Mutter über Schmerzen im Unterleib. Die Diagnose: Krebs, der bereits Metastasen gebildet hatte. Nicht überzählige Erbmoleküle des Fötus waren im Blut der Schwangeren gefunden worden, sondern abnorme Gene eines Tumors hatten den Alarm ausgelöst.

Aus dem Fall, über den der Genetiker Christopher Osborne Ende März bei der Jahrestagung des American College of Medical Genetics and Genomics berichtete, lassen sich zwei Lehren ziehen. Erstens: Tumorerkrankungen der Mutter können die neuen Bluttests verfälschen, mit denen sich Chromosomenstörungen des werdenden Kindes im Mutterleib diagnostizieren lassen, etwa das Downsyndrom. Zweitens: Weil nicht nur Föten im Mutterleib, sondern auch Krebsherde ihre Erbmoleküle in den Kreislauf streuen, und zwar schon sehr früh, eröffnen sich revolutionäre Möglichkeiten für die Früherkennung von Krebs.

Das Verfahren nennt sich Liquid Biopsy, „flüssige Biopsie“. Blut- statt Gewebeproben sollen den Krebs verraten und dabei gleichzeitig helfen, seine Schwachstellen zu entdecken und Behandlungsstrategien zu finden. Womöglich kann bald sogar ein einziger universeller Test für die mehr als 200 Tumorarten entwickelt werden, die heute allein in Deutschland alle zweieinhalb Minuten ein Menschenleben fordern.

Je früher ein Tumor erkannt wird, desto größer sind die Heilungschancen. Aber derzeit sind nur für wenige Krebsarten Reihenuntersuchungen verfügbar: die Mammografie bei Brustkrebs, der Stuhlbluttest bei Darmkrebs, der PSA-Test bei Prostatakarzinomen. Die Tests sind schwachsichtig, unter Experten ist umstritten, ob ihr Einsatz mehr Schaden oder Nutzen bringt. Gleichwohl kostet allein das deutsche Mammografieprogramm für Frauen zwischen 50 und 69 Jahren bis zu 400 Millionen Euro im Jahr.

Künftig, das ist die Vision, soll eine Blutprobe genügen. Die Strategie ist im Grundsatz simpel: Auch im Plasma von Gesunden schwimmen immer Erbmoleküle aus abgestorbenen Zellen. Lesemaschinen dechiffrieren die Erbinformation der Blut-DNA im Massenverfahren (deep sequencing). Finden Analyseprogramme dabei verräterische Defekte, die man von Krebsgenen kennt, dann könnte die Diagnose so früh gestellt werden, dass die Heilung von weit mehr Krebserkrankungen möglich wird. Der Onkologie stünde eine Zeitenwende bevor.

Die Aussicht auf einen solchen Durchbruch ist vor allem einem eher klein geratenen, scheuen Mann mit weißem Fusselbart und skurrilem Humor zu danken, der sein Forschungsinstitut nur in Notfällen verlässt – etwa wenn seine Frau Geburtstag hat. Ob Bert Vogelstein zum Schlafen nach Hause geht, ist unter seinen Mitarbeitern umstritten. Und doch wurde beobachtet, wie der Tumorgenetiker bei einem seiner seltenen Kongressauftritte 12.000 in dunkelblaue Anzüge gewandete US-Onkologen zu Lachsalven nötigte – mit einem Vortrag über Darmkrebs. Sein japanischer Doktorand, der kiloweise Stuhlproben von Darmkrebskranken untersuchen musste, habe bei der Vertragsunterzeichnung noch kein Wort Englisch lesen können. „Ich schwöre, das wusste ich nicht.“

Vogelstein und seine Mitarbeiter haben die Fundamente gelegt, auf denen die neuen Hoffnungen der Krebsmedizin ruhen. Das Team vom Kimmel Cancer Center an der Johns Hopkins University in Baltimore hat bereits 2006 damit begonnen, die Erbinformationen der Krebsherde einzelner Patienten zu entschlüsseln, um festzustellen, welche Defekte in welchen Erbanlagen für die Entstehung, das Wachstum und die Verbreitung von Krebs verantwortlich sind.

Damit gaben die Wissenschaftler aus Baltimore den Anstoß für einen gigantischen internationalen Forschungsfeldzug: The Cancer Genome Atlas (TCGA) wurde begonnen, um alle Genveränderungen zu katalogisieren, die Krebs jeglicher Art antreiben. Dafür wollen Fachleute bei jeder Krebsform das Erbgut der Tumorproben von 500 Patienten dechiffrieren. Die erforderliche Logistik, die Sequenzer- und Rechnerkapazitäten werden von Forschungsinstituten rund um den Globus gestellt. Neben den Vereinigten Staaten und Großbritannien sind auch Deutschland, Frankreich, Indien, China und Japan beteiligt.

Vogelstein selbst hat bei TCGA nicht mitgemacht; die mit solchen Megaprojekten verbundene Bürokratie ist ihm ein Graus. Doch er und seine Mitarbeiter waren es, die vor drei Wochen in Science eine erste Bilanz des Projekts zogen. Ihre Bestandsaufnahme geriet zum Manifest. Es sei nun an der Zeit zu handeln: „Unser Wissen über die Genetik der Krebsleiden ist jetzt hinreichend, um das Leiden und das Sterben effektiv zu vermindern.“ Die molekulare Früherkennung per Blutprobe ist tatsächlich keine Utopie mehr, das TCGA-Projekt hat bereits heute die Erkenntnisse geliefert, um Krebsherde gleichsam im Moment ihrer Entstehung aufzuspüren.

Dabei hat das Konsortium erst weniger als die Hälfte der Arbeit erledigt. Das Erbgut von Krebszellen, wurde dabei offenbar, ist geradezu bizarr deformiert. In Tausenden Tumorproben von Patienten verzeichneten die TCGA-Wissenschaftler bislang mehr als 400.000 genetische Defekte, rund 90 Prozent der menschlichen Gene waren betroffen. Auf den ersten Blick eine deprimierende Bilanz.

Doch bei genauerem Hinsehen zeigt sich, dass die überwältigende Mehrzahl der Genpannen lediglich aus Kollateralschäden (passenger mutations) besteht . Diese entstehen, weil die genetischen Reparatursysteme der Tumorzellen versagen und sich aufgrund der rasanten Teilungsgeschwindigkeit Kopierfehler im Erbgut häufen. Die Zahl der eigentlichen Übeltäter (driver mutations), die für das aggressive Wachstum der Krebse verantwortlich sind, ist dagegen durchaus überschaubar. Offenbar, so schreiben die Tumorforscher aus Baltimore, haben die Genomentzifferer schon fast alle wichtigen Krebsgene gefunden. Mittlerweile stoßen sie bei der Dekodierung weiterer Krebsarten immer wieder auf dieselben Tumorgene. Das lässt hoffen:

– Das gesamte Krebsgeschehen im Menschen wird demnach von kaum mehr als 140 Erbanlagen (driver genes) dominiert, in denen allerdings eine Vielzahl unterschiedlicher Defekte auftreten.

– Nur drei bis acht solcher Krebsgene treiben im Regelfall den Krebsherd eines einzelnen Patienten bei der Wucherung an. Die Funktionszusammenhänge zwischen diesen Tumorgenen gelte es jetzt zu erkunden, schreibt das Vogelstein-Team.

Die Strategie für die neue Form der Früherkennung ist nun vorgezeichnet: Sobald Tumore ihre Erbmoleküle in den Kreislauf verlieren, können diese aus einer Blutprobe isoliert werden. Extrem genaue Entschlüsselung der DNA im Blut kann die Defekte enttarnen. Ein Mutationsprofil entsteht, das den Medizinern dann möglicherweise zugleich verrät, in welchem Organ der entstehende Krebs zu suchen ist.

Vogelsteins Team ist bereits dabei, die Leckagen zu erkunden, die verschiedene Tumoren im Blut hinterlassen. Noch sind die Befunde nicht veröffentlicht, doch alles deutet darauf hin, dass praktisch alle Krebsarten ihre Erbmoleküle ins Blut der Kranken streuen. Und das Menetekel erscheint früh. „Wir sind überzeugt, dass wir Krebs bereits im Blut messen können, wenn der Tumor erst aus 50 Millionen Zellen besteht“, versichert Vogelstein. 50 Millionen Zellen – das ist ein Gewebekügelchen von gerade mal einem zwanzigstel Gramm. Kein herkömmliches Untersuchungsverfahren kann einen solchen Winzling aufspüren.

Medizinforscher haben bereits mit der Entwicklung onkologischer Bluttests begonnen, die wie die vorgeburtlichen Gentests des mütterlichen Bluts funktionieren. Die EU fördert im Rahmen des EpiFemCare-Programms die Entwicklung eines Bluttests für Brustkrebs und Eierstockkarzinome. Beteiligt an dem internationalen Vorhaben ist auch die deutsche Sequenzierfirma GATC in Konstanz, deren Tochter LifeCodexx den vorgeburtlichen Bluttest für das Downsyndrom auf den Markt gebracht hat (ZEIT Nr. 6/13).

Wie gut die neuen Tests in der Praxis funktionieren, beschrieben die Johns-Hopkins-Forscher Ende vergangenen Jahres im Fachblatt Science Translational Medicine: Sie hatten Erbmoleküle im Blutplasma von zehn Gesunden und zehn Patienten mit fortgeschrittenem Darm- und Brustkrebs dekodiert. In den Gendaten suchten sie dann nach verräterischen Defekten – und der Test identifizierte alle Krebskranken korrekt. Zudem lieferte er noch wertvolle Informationen über die Art der Tumoren bei den einzelnen Patienten.

Solche Untersuchungen helfen Krebsmedizinern schon jetzt bei der Behandlung von Patienten mit fortgeschrittenem Krebs. In deren Blut lässt sich nun früher als bisher feststellen, ob ein zunächst erfolgreich behandeltes Krebsleiden zurückkehrt. Oder ob der Krebs gegen die eingesetzten Medikamente resistent wird. Auch Metastasen verraten sich, lange bevor sie sichtbar gemacht werden könnten.

Im Büro seiner Hamburger Niederlassung brütet Frank Diehl, wissenschaftlicher Leiter der jungen Diagnostikfirma Inostics, über der Weiterentwicklung derartiger Liquid-Biopsy-Tests. Das Geschäftsmodell seines Unternehmens sei einfach: „Wir machen immer genau das, was Bert sagt.“ Das ist nicht nur scherzhaft gemeint, denn Diehl war bis vor wenigen Jahren Forscher in Bert Vogelsteins Team, und auch jetzt noch ist der amerikanische Onkologe sein Boss – er gehört zu den Gründern des Unternehmens mit Sitz in Hamburg und Baltimore.

Inostics war an ersten Pilotstudien beteiligt, in denen australische, britische und US-amerikanische Wissenschaftler den Bluttest bei Patientinnen mit metastasiertem Brustkrebs und bei gastrointestinalen Tumoren eingesetzt haben. Sie konnten zeigen, dass sich auf diese Weise die Therapie besser steuern ließ. Auch in Deutschland, beim Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) in Heidelberg, wurde unter der Leitung von Christof von Kalle mit der Erkundung von Tumorgenen im Blut begonnen.

Ihre wahre Stärke wird die Diagnose per Blutprobe aber bei der zuverlässigen molekularen Früherkennung demonstrieren. Vor allem bei den besonders gefürchteten, fast immer tödlichen Karzinomen könnte sie das Blatt wenden: Lungenkrebs etwa verursacht den Betroffenen erst so spät Beschwerden, dass die Erkrankung meist nicht früh genut entdeckt wird. Deshalb sterben bis zu 90 Prozent der Kranken binnen fünf Jahren nach der Diagnose an ihrem Leiden. Wird der Tumor dagegen durch Zufall früh entdeckt, sind die Heilungschancen blendend. Ähnlich dramatisch sind die Unterschiede zwischen früher und später Diagnose beim Pankreaskarzinom.

Kein Wunder, dass derzeit eine Welle von Studien zur Diagnostik per Liquid Biopsy durch die Fachblätter rollt. „Das Feld explodiert“, urteilt der Krebsforscher Carlos Caldas vom Cancer Research UK Cambridge Institute, der ebenfalls das Verfahren erkundet. „Unerhört vielversprechend“ sei die Idee der molekularen Früherkennung, sagt auch der Bostoner Krebsforscher Daniel Haber vom Massachusetts General Hospital, „sobald sie ökonomisch machbar ist“.

Diese Einschränkung ist wichtig. Von der Massentauglichkeit sind die Bluttests aus einer ganzen Reihe von Gründen noch entfernt: Derzeit kostet eine Untersuchung mehrere Tausend Euro pro Patient, die Sequenzierung und Auswertung dauert einen Monat. Um als Frühdiagnostik zu dienen, müssen die Suchverfahren zudem hochempfindlich reagieren: Im Blut von Patienten mit fortgeschrittener Erkrankung stammen zwei bis fünfzig Prozent der Erbmoleküle vom Tumor; im Anfangsstadium dagegen müssen die Tests verdächtige Gene aufspüren, die weniger als ein Promille der gesamten DNA im Blut ausmachen. Aber die Tests werden immer billiger und schneller. Daher ist die Anwendbarkeit nur noch eine Frage der Zeit.

Wie bei allen Screeningmethoden ist die enorme Scharfsicht des neuen Krebsradars zugleich seine größte Schwäche. Womöglich wird der Test die Mediziner zunächst hilflos mit einer Flut von Krebsdiagnosen zurücklassen, deren Bedeutung sie nicht abschätzen können. Ist ein winziger Krebsherd von 0,05 Gramm immer behandlungsbedürftig? Wie oft werden die Tests Alarm schlagen und die Patienten einer aggressiven weiteren Diagnostik aussetzen, obwohl diese in Wahrheit kerngesund sind? Und selbst wenn Behandlung notwendig erscheint: Wie findet der Operateur eigentlich einen bösartigen Tumor, der so winzig ist, dass ihn kein bildgebendes Verfahren sichtbar machen kann?

Ungeklärt ist, wem künftige Reihenuntersuchungen zugute kommen sollen. Haben solche Massentests erst vom 50. Lebensjahr an Sinn, wenn die Gefahr einer Krebserkrankung zunimmt? Oder soll man junge Menschen vorsorglich testen? Auch die Jüngeren, das zeigt der traurige Fall der jungen Mutter in Arizona, sind nicht immun gegen Krebs.

 

Quelle: zeit.de