T-Zellen heilen Leukämie

Leukemie
Leukämie könnte bald heilbar sein, wenn sich die Versuche der New
Yorker Wissenschaftler bestätigen.
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Nach nur acht Tagen war die Diagnose „unheilbare Leukämie“ Geschichte. Mit einer neuartigen Gentherapie gegen die akute lymphatische Leukämie war der Patient geheilt. Auch vier weiteren Erkrankten konnte mit der Therapie geholfen werden.

Wie der englische „New Scientist“ (März-Ausgabe) berichtet, starben zwei Patienten allerdings später: Ein Patient starb an einem Blutgerinnsel, das weder mit der Leukämie-Erkrankung noch mit der Behandlung in zusammenhing; bei einem zweiten vermehrten sich die Leukämie-Zellen wieder – ein weiteres Mal konnte er nicht geheilt werden.

Die Krebszellen der geheilten Patienten bilden sich seit einiger Zeit kontinuierlich zurück: Die Erfolge dauern zwischen fünf Monaten und zwei Jahren, die akute lymphatische Leukämie normalerweise tödlich verläuft.

 

Neuartige Behandlungsmethode

Michel Sadelein vom Memorial Sloan-Kettering Cancer Center in New York ist Leiter des Teams, das diese neuartige Behandlungsmethode entwickelt hat. Eine zweite Versuchsreihe mit 50 weiteren Patienten sei bereits kurz vor der Umsetzung, sagt er.

Der Schlüssel dieser neuen Technik ist ein Molekül, das die Oberfläche der erkrankten Krebszellen identifiziert. Es übermittelt dem menschlichen Immunsystem die Information, wie es die bösartigen Zellen genetisch bekämpfen kann. Bei einer akuten lymphatischen Leukämie sind diese bösartigen Zellen veränderte Immunabwehrzellen, auch B-Zellen genannt. Das New Yorker-Team konnte in seinen Studien ein einzelnes Molekül identifizieren, das Molekül CD19, das es nur auf der Oberfläche von B-Zellen gibt – und damit ein unverwechselbarer Erkennungsfaktor bei der Suche nach diesen Krebszellen ist.

Jetzt mussten die Wissenschaftler dem Patienten „nur noch“ andere Immunzellen entnehmen, in diesem Fall die T-Zellen, und umprogrammieren. Ein harmloser Virus übernahm diese Arbeit: Er wird genetisch so manipuliert, dass die infizierten T-Zellen die CD19-Moleküle bekämpften und so die B-Zellen im Körper des Patienten zerstören. Und genau das taten sie: Sie töteten alle B-Zellen, sowohl die Krebszellen als auch die gesunden.

Sadelain sagt: „Das beeindruckenste Ergebnis der Versuche war, dass in allen fünf Patienten keine Tumorzellen mehr nachgewiesen werden konnten.“ Er schätzt, dass jeder Körper, dessen B-Zellen „aufgefressen“ wurden, nach einiger Zeit von sich aus wieder normale T-Zellen und gesunde B-Zellen produziert. Seine Patienten bekamen trotzdem Knochenmark von Fremdspendern injiziert, um ihnen so schnell wie möglich ein gesundes Immunsystem zurück zu geben. Der wissenschaftliche Artikel ist im  Science Translational Medicine erschienen.

 

Das könnte die Zukunft sein

In der Ausgabe des „New Scientist“ wird weiter berichtet, dass Sadelains Team in New York große Chancen in den aktuellen Erkenntnisse sieht: Sie wollen jetzt der Frage nachgehen, ob die T-Zellen auch für die Bekämpfung anderer Krebsarten genutzt werden kann. Im Januar konnte er bereits erste Erfolge präsentieren: Er wieß nach, dass er menschliche Prostatakrebszellen vernichtet konnte, die er Mäusen eingesetzt gatte. Diese Ergebnisse wurden auch auf der Onlineseite des Nature Biotechnology veröffentlicht.

Es ist nicht der erste Versuch, T-Zellen für die Bekämpfung von Leukämie-Patienten zu nutzen und umzuprogrammieren. Im letzten Jahr hat das Unternehmen Adaptimmune einen ähnlichen versuch bei 13 Patienten mit einem multiplen Myelom durchgeführt, ebenfalls eine krankhafte Veränderung des Knochenmarks. Zehn von ihnen konnten nach bisherigem Stand geheilt werden.

„Auch wenn sich diese Versuche noch in einem frühen Stadium befinden, könnte diese Behandlungsmethode in Zukunft einen Platz neben anderen traditionellen Methoden einnehmen“, sagt Paul Moss vom Cancer Research UK.

 

Quelle: stern.de

Stark durch Wissen

Krebsinformationsdienst (KID) des Deutschen Krebsforschungszentrums zeigt: Evidenzbasierte Krebsinformation stärkt Selbstkompetenz der Patienten

„Entscheiden trotz Unsicherheit“ – der Krebsinformationsdienst (KID) des Deutschen Krebsforschungszentrums fördert als Nationales Referenzzentrum für Krebsinformation die Gesundheitskompetenz in Deutschland. Während der 14. Jahrestagung des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin (DNEbM) am 15. und 16. März in Berlin gibt der KID einen ersten Einblick in die Ergebnisse einer Nutzerbefragung. Die Befragten hatten sich telefonisch zum Thema Krebs informiert. Das Angebot des KID richtet sich an Patienten, Angehörige und Fachkreise. Als Fördermitglied des DNEbM trägt der KID dazu bei, Konzepte und Methoden der EbM in der Praxis zu verbreiten und weiter zu entwickeln.

„Fachkreise, Betroffene und interessierte Bürgerinnen und Bürger profitieren von der in Deutschland einzigartigen Qualität unserer Krebsinformationen. Der Dienst bündelt wissenschaftlich fundierte Informationen und gibt diese in verständlicher Sprache wieder, zugeschnitten auf den individuellen Bedarf der Ratsuchenden. Was den KID dabei auszeichnet: Das Informationsangebot des KID ist beweisgestützt und frei von Trends oder einzelnen Expertenmeinungen. Und es folgt keinerlei kommerziellen Zwecken“, so Dr. Susanne Weg-Remers, Leiterin des KID.

Eine wichtige Voraussetzung für fundierte Entscheidungen sind verständliche, wissenschaftlich begründete Informationen, wie sie der Krebsinformationsdienst über seinen Telefonservice, via E-Mail oder über das Internet zur Verfügung stellt. Mit der neutralen und evidenzbasierten Qualität seiner Informationen stärkt der KID die Ziele des DNEbM: eine gesundheitliche Versorgung aller Bürgerinnen und Bürger, die auf bester wissenschaftlicher Erkenntnis beruht. Damit leistet der Krebsinformationsdienst einen wichtigen gesundheitspolitischen Beitrag. Trends, so Weg-Remers weiter, könnten zwar Impulse geben für Entscheidungen. Bei Fragestellungen zu einer Krebserkrankung und ihrer Therapie erfüllten sie jedoch nicht die Standards, die das DNEbM mit der „Guten Praxis Gesundheitsinformation“ (GPGI) definiert hat. Ziel der GPGI ist, die Qualität von Gesundheitsinformationen sicherzustellen und Bürgerinnen und Bürger vor unzuverlässigen, verzerrten und irreführenden Gesundheitsinformationen zu schützen. „Dazu gehört auch, Unsicherheiten zu benennen, wenn beweisgestütztes Wissen fehlt“, ergänzt Weg-Remers.

Informationen des KID stärken Selbstkompetenz

Eine unter den Anrufern des Krebsinformationsdienstes durchgeführte, nicht bevölkerungsrepräsentative Befragung zeigt, dass das Interesse an Information (87 Prozent wollen möglichst alles über ihre Erkrankung wissen) sowie an Beteiligung an medizinischen Entscheidungen (84 Prozent) sehr ausgeprägt ist. Rund 90 Prozent der Befragten gaben an, dass ihnen die vermittelten Informationen gut weitergeholfen haben. Insgesamt wurden 3.658 Anrufer des KID befragt, darunter 1.997 Patienten. Erhoben wurde, wie zufrieden die Anrufer mit dem Gespräch waren und in wieweit es zum besseren Verständnis der Therapieoptionen, zur Orientierung und der Einordnung von Informationen sowie der Sicherheit beigetragen hat.

Fazit: Wie vermutet, haben evidenzbasierte, individuell relevante und verständlich vermittelte Informationen in Übereinstimmung mit der „Guten Praxis Gesundheitsinformation“ überwiegend günstige Effekte auf Krankheitsbewältigung und Selbstkompetenz.

Auf dem Kongress werden erste Ergebnisse der Befragung vorgestellt.

Mehr dazu unter www.ebm-netzwerk.de.

Quelle: DKFZ.de