Biomarker für virusbedingten Krebs im Mund-Rachenraum

Patienten mit Krebserkrankungen im Mund-Rachenraum haben eine günstigere Prognose, wenn ihr Tumor durch humane Papillomviren verursacht ist. Wissenschaftler im Deutschen Krebsforschungszentrum und im Universitätsklinikum Heidelberg identifizierten nun Biomarker, mit denen sie die Krebsfälle mit günstigem und ungünstigem Verlauf voneinander unterscheiden können. Die beiden Formen der Erkrankung können möglicherweise unterschiedlich therapiert werden.

Etwa ein Viertel der Krebserkrankungen des Mund-Rachen-Raums geht auf eine Infektion mit humanen Papillomviren (HPV) zurück. In erster Linie ist der Virustyp HPV16 beteiligt, auf dessen Konto auch rund 60 Prozent aller Fälle von Gebärmutterhalskrebs gehen. Patienten mit Mund-Rachen-Tumoren, die durch HPV verursacht sind, haben eine bessere Überlebensprognose als Betroffene, in deren Tumor der Erreger nicht gefunden wird. Diese Form der Erkrankung gilt größtenteils als alkohol- und tabakbedingt.

„Die Unterscheidung ist wichtig, weil sie therapierelevant sein könnte“, erklärt. Dr. Michael Pawlita aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum. „Die HPV-bedingten Tumoren sind beispielsweise wesentlich strahlensensibler.“ Ein Biomarker, der anzeigt, welcher Tumor tatsächlich durch HPV verursacht ist, bzw. die Prognose für die betroffenen Patienten sicher voraussagt, könnte die Therapieplanung verbessern. „Ein einfacher Nachweis des Viruserbguts hilft dabei aber nicht weiter, denn die verbreiteten Viren können auch einfach in der Umgebung des Tumors vorkommen, ohne dass sie den Krebs verursacht hätten“, so Pawlita.

Die Wissenschaftler aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum und aus der Hals-Nasen-Ohrenklinik des Universitätsklinikums Heidelberg analysierten nun 199 Biopsien von Mund-Rachen-Tumoren, bei rund der Hälfte davon war das Erbgut der Papillomviren nachweisbar. Die Forscher prüften fünf verschiedene direkte und indirekte Biomarker. Mit statistischen Methoden analysierten sie, welcher der Marker die aussagekräftigsten Resultate ergibt und die Patienten mit den besten Überlebenschancen am sichersten voraussagt.

Die Studie ergab, dass sowohl der Nachweis eines besonders starken Virusbefalls als auch ein virales Genaktivitäts-Muster, wie es für Gebärmutterhalskrebs typisch ist, die höchste Assoziation mit einem günstigen Verlauf der Erkrankung aufweist.

„Das Gebärmutterhalskrebs-typische Muster der viralen Genaktivität war bislang noch nicht auf einen Zusammenhang mit der Prognose untersucht worden. Wir hielten es jedoch für nahe liegend, dass die Viren in Tumoren des Mund-Rachenraums das gleiche Muster an Genaktivität zeigen wie in den Tumorzellen des Gebärmutterhalses“, sagt Dr. Dana Holzinger, die Erstautorin der Arbeit.

Die Forscher planen nun, die Ergebnisse an weiteren Tumorbiopsien zu überprüfen und einen Test zu entwickeln, der sich für eine Anwendung in der klinischen Routine eignet. „Es wäre sinnvoll zu untersuchen, ob die beiden Formen der Erkrankung unterschiedlich therapiert werden können. Für solche Studien ist ein zuverlässiger Biomarker unerlässlich“, sagt Michael Pawlita.

Quelle: Dana Holzinger, DKFZ

Darmkrebs erkennen und behandeln

Die Behandlung von Darmkrebs hat in den vergangenen Jahren deutliche Fortschritte gemacht. Vor allem Strahlen- und Chemotherapie sowie gentechnisch produzierte Antikörper helfen, den Krebs auch in fortgeschrittenen Stadien wirksam zu bekämpfen. Eine Heilung ist möglich, wenn es gelingt, den Tumor operativ vollständig zu entfernen.

Darmkrebs ist die häufigste Krebsart in Deutschland, pro Jahr erkranken daran rund 70.000 Menschen und etwa 27.000 sterben. Das Tückische an den bösartigen Darmtumoren ist, dass sie oft jahrelang wachsen und größer werden, ohne Beschwerden zu verursachen. Erste Anzeichen wie Abgeschlagenheit und Antriebslosigkeit können auch andere, harmlose Ursachen haben. Und ist erst Blut im Stuhl, ist der Tumor meist schon sehr groß.

Rechtzeitig erkannt ist Darmkrebs in der Regel heilbar. Deshalb wird ab dem 55. Lebensjahr die Darmspiegelung (Koloskopie) als Vorsorgeuntersuchung kostenlos angeboten. Studien zeigen, dass nach einer unauffälligen Spiegelung die nächste Koloskopie erst nach fünf bis zehn Jahren durchgeführt werden muss. Nur wenn Darmkrebs bei Verwandten ersten Grades aufgetreten ist, sollte man häufiger kontrollieren. In diesen Fällen sollte die erste Untersuchung auch bereits zehn Jahre früher durchgeführt werden, als das Alter des betroffenen Verwandten beim Ausbruch der gefährlichen Krankheit betragen hat.

Gewebeprobe kann bei Koloskopie entnommen werden

Darmkrebs entsteht meist aus gutartigen Vorstufen, sogenannten Polypen, die sich bei der Koloskopie gleich entfernen lassen. Trotz dieser großen Chance nutzen viele Menschen dieses Angebot aus Unwissenheit, Scham oder Angst nicht. Vielen ist auch die Darmsäuberung mit Abführmitteln und viel Flüssigkeit unangenehm, die für eine zuverlässige Beurteilung notwendig ist. Bei der Koloskopie führt der Arzt dem Patienten unter leichter Betäubung ein biegsames Endoskop in den Darm ein. Das schlauchförmige Gerät enthält eine Lichtquelle, eine winzige Kamera und einen Arbeitskanal, über den der Arzt kleine Zangen zur Entnahme von Gewebeproben einführen und etwaige Polypen abtragen kann. Entdeckt er bei der Koloskopie einen Tumor, kann er eine Gewebeprobe zur feingeweblichen Untersuchung entnehmen.

Es ist wichtig, dass ein maßgeschneidertes Konzept für den Patienten entwickelt wird. Deshalb sollten sich Patienten mit Darmkrebs möglichst in einem Darmzentrum behandeln lassen. Hier beraten Experten aller an der Krebstherapie beteiligten Fachgruppen gemeinsam in interdisziplinären Tumorkonferenzen, welche Verfahren im Einzelfall am besten sind und wie sie kombiniert werden sollen.

Künstlicher Darmausgang in einigen Fällen nötig

Zum Beispiel kann, wenn nötig, vor einer Operation der Tumor zunächst mit Chemotherapie und Bestrahlungen verkleinert werden. Diese sogenannte neoadjuvante Therapie soll zudem mögliche Streuherde in das umgebende Gewebe vernichten. Sitzt der Krebs nah am Schließmuskel, müssen die Ärzte oft einen künstlichen Darmausgang (Stoma) legen, damit der Enddarm in Ruhe verheilen kann. Über einen Bauchschnitt legen die Ärzte den vom Krebs befallenen Darmabschnitt frei, lösen ihn heraus und verbinden die freien Enden des Darms wieder miteinander. Dann legen sie das Stoma, indem sie eine Darmschlinge durch einen kleinen Bauchschnitt nach außen ziehen, öffnen und die Ränder mit der Haut vernähen. Über diesen künstlichen Ausgang entleert sich von nun an der Darminhalt in einen aufgeklebten Beutel, der sich leicht hygienisch wechseln lässt.

Für die Patienten ist das anfangs zwar belastend, sie gewöhnen sich aber in der Regel schnell daran und können dann wieder aktiv am Leben teilnehmen. In vielen Fällen kann der Darmausgang nach der Heilungsphase auch zurückverlegt werden, sodass die Stuhlentleerung wieder auf natürlichem Wege möglich ist.

Quelle: NDR.de